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Texte 

 Texte zu meinen Werken

★Text von Charlotte Spachholz

★"Was ist das Geheimnis?"
Clara Vivian Stang

★Gedicht von Tayla Spitzbart

★"Zeitgeister" Prosasammlung von Tayla Spitzbart zu Werken von Clara Vivian Stang

★"Über Gesichter"
Clara Vivian Stang

COMING SOON

Charlotte Spachholz, 2024

Text für Clara

 

Schemenhafte Wesen in ihrem nackten Sein in starren Gebärden. Kleine Visagen, die sich ausdrucksstark in den Fokus der Aufmerksamkeit ziehen. Animalische und menschliche Charakteristika, die in ihrer Darstellung scheinen ineinanderzufließen. Verschlüsselte Blicke suchen nach Antworten und scheinen in ihren starren Körpern gefangen zu sein, Körper, die an Käfige erinnern oder von Zäunen und harten Kanten eingerahmt sind. Es scheint, als verbürgen sich hinter diesen puppenartigen Fassaden der Figuren große Sehnsüchte und Träume nach einem Sein außerhalb ihrer eigenen Gefangenheit. 

Die Figuren, die Clara Stang zum Zentrum der Betrachtung ihrer Werke macht, ziehen uns in ihren magischen Bann und stellen sich uns gegenüber, gehen in die Konfrontation, ohne aufdringlich zu sein. Sie irritieren, stellen bloß und halten uns einen Spiegel vor. Etwas erscheint jedoch nicht im Einklang mit ihrem Sein: Kleine Köpfe erhaschen einen Ausblick aus Gucklöchern des Körpers, nach einer Welt außerhalb ihrer Zelle. Die Blicke sind getragen von einer besonderen Sehnsucht. Starre Körper und skizzenhafte Umrisse in farbintensiver Einbettung, definieren die Szenarien und verleihen eine aufwühlende Dynamik. 

Clara Stang setzt sich in ihren Werken mit Figuren auseinander, in denen sie die Grenzen zwischen Mensch und Tier verschwommen lässt. Es sind Figuren, die in mir eine Sehnsucht auslösen, unklar ob nach Sinn, Freiheit, höherem Sein, Erfüllung oder Liebe. Die Motivik der Gesichter, die wie kleine Ausschnitte von Wesen ihren Platz im Werk erhalten, lassen die Interpretation stets zur freien Assoziation der betrachtenden Person offen und schaffen so einen nahbaren Zugang. Die Gesichter und Verkörperungen von Wesen beschäftigen sich mit der Gegensätzlichkeit vom Schein der Fassade und inneren Tiefen. Eine äußere Wesenshülle wird von der betrachtenden Person selbst gefüllt mit inneren Motiven, Gedanken oder auch der Konfrontation der Leere. Mit sich selbst im Kontakt stehen und die Konfrontation mit dem Selbst zu durchleben, erscheinen ebenfalls Leitmotive ihrer Kunst zu sein. 

Mit dem Bezug auf Rilkes Panther, den sie als Inspiration für ihre Bachelor Werke miteinfließen ließ, setzt sich das Animalische im Menschen als Thema durch. Wir drehen unsere Kreise in unserer Gefangenheit, in unseren Gedanken, Sehnsüchten und Wesensfacetten. Vielleicht setzen wir uns selbst die Panther-Maske auf. Die verschachtelten Charaktere, die an Matrjoschka-Puppen erinnern, lassen uns teilhaben an dem Moment, in dem die Bilder der Welt durch den „Vorhang der Pupille“ des Menschen dringen und ihn kurzzeitig erfüllen, ihn jedoch nicht für immer in diesem Gefühl verweilen lassen. Die Figuren verstecken ihre Visage hinter aufgesetzten Masken, vielleicht vor der Welt. Wie die tausend Stäbe, in deren inneres ein Tier kein Zugang zum Äußeren zu finden scheint, beobachten wir die Figuren in ihrem strebenden Dasein nach einem anderen Dasein. Schlüssel und Schloss als Symbole, lassen uns im Ungewissen darüber, welche Fragen der Gefangenheit die Figuren umtreiben. Welchen Schlüssel die Figuren benötigen, um sich zu befreien, kann nur erahnt nicht aufgelöst werden. Vielleicht verbirgt sich in den Personen ein großer Wille, der umfangen von den eigenen Grenzen im Verborgenen unerfüllt bleibt?

Tayla Spitzbart,
lyrischer Prolog,
2025

Hirngespinste. Zart wie Rauch. Fein wie Staub. Sie flimmern. Sie tanzen. Wie Schatten an der Schlafzimmerwand. Wir sind wie Passepartouts. Schöne Umrahmungen für eine Zukunft, die uns nicht gehört. Die wir nie wollten. Die wir vergessen haben. Die uns vergessen hat. Weinende Engel sitzen auf Fensterbänken und schauen zu, wie wir uns verlieren. Wie Öl in Wasser. Untrennbar. Unvereinbar. Unsichtbare Grenzen. 

 

Wir wollen näher Richtung Zukunft, ohne uns dabei von uns selbst zu entfernen. Wir schauen in die Vergangenheit, aber wollen uns dabei selbst nicht zu nahekommen. Nichts bricht leiser als unsere Herzen. Nichts ist so laut wie das Schweigen nach dem Abschied. Wir füllen die Leere mit Dingen, die nicht da sind. Mit Stimmen, die nicht sprechen. Mit Blicken, die nicht sehen. Wir spielen mit Spielanleitung, aber ohne Spielfiguren. 

 

Unsere Schatten flüstern. Namen, die wir vergessen wollten. Momente, die wir nie erleben durften. Die Schatten atmen. Leise. Beharrlich. Aus den Schatten wachsen Gewächse. Schattengewächse. Sie sprießen in den Spalten der Ängste. 

 

Einbruch. 

Ausbruch. 

Umbruch. 

 

Durch die Risse fällt Licht.

"Was ist das Geheimnis?"
Clara Vivian Stang, 2022

was ist das geheimnis? 

 

 

als der abend so verran,

fragte ich mich allmählich

wohin er schwand.

wohin er ging und was dort passierte?

 

ich gehe in ein dunkles zimmer 

und suche etwas 

was ich nicht verloren habe. 

 

ich weiß, da ist ein geheimnis versteckt

hinter jeder iris wartet die gleiche tür 

die etwas verbirgt was uns verbindet.

 

hinter dem schlüsselloch ist ein spiegelndes glas, 

man sieht nur sich selbst,

kein schlüssel passt.

 

es ist wie ein gedicht lesen,

dieser warme schauer

etwas zu erahnen.

der sprachlosigkeit werden worte geschenkt.

ich verstehe es nicht,

aber ich finde es schön.

 

es klingt nach der lösung,

es klingt nach dem schlüssel.

ein ende der lebenslangen amnesie.

ich weiß, zeit vergeht, 

der abend rennt.

morgen werde ich euch alle noch erkennen

doch sehen werde ich nur eure veränderung.

 

ich weiß, ich weiß

nichts. nur gewiss ist 

das geheimnis. 

 

vielleicht am ende des labyrinthes.

mit dem letzten atemzug,

ein plötzliches gefühl des jetzts -

macht alles einen sinn.

der Schlüssel passt,

was sehe ich?

"Zeitgeister"Prosa von Tayla Spitzbart und Werke von Clara Vivian Stang

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